Abschied

In der Schlaufe des Depots
jammert die erste Strassenbahn
Und Krähen fangen an
den Morgen hervorzuschimpfen
Das Dunkel zerbröckelt
und die Kälte beisst
Die Stadt macht ein Auge auf
spürt den Kater
macht es wieder zu
Ein betrunkener Engel
schiebt sein Fahrrad
durch die Gassen
Und verblühte Nachtschwestern
sind unterwegs
heimzu
Da und dort
hängen noch
Uhren ohne Zeiger
und aus einem offnen Fenster
piepst ein elektronischer Wecker
O Gott
Schlag ihn tot!
Der Morgen möcht noch einwenig Ruhe haben
vor der Grausamkeit des Tages
wie ein Frischgeworfenes in der Fruchthülle
vor dem rauen Zungenlecken des Lebens
Einer Geige klagend Lied wird fortgetragen
vom Trauerzug des Morgennebels
Und in den Bistros suchen die ersten Fabrikarbeiter
ihre dumpfen Spiegelbilder in den halb leeren Kaffeetassen
Ich kann mich dem Gesang des Heilsarmeechores nicht entziehen
der am Frost des Tages glühende Herzen kühlt
und gebe den Uhren die Zeiger zurück
verschämt
weil ich ihre Blösse nicht ertrage
und bin der erste Kunde
in der Buchhandlung um die Ecke
wo ich mir das Buch erwerbe
mit den Liebesbriefen
die du mir
nie geschrieben
du
damals
umarmt
vom Duvet der Nacht
die wir zusammen durchschlafen
bis in der Schlaufe des Depots
die erste Strassenbahn
jammert