An einem Donnerstag im April

Es ist ein Tag an einem Donnerstag im April. Ich sitze auf dem blauen Sofa, neben mir liegt Kaya ausgestreckt, entspannt. Draussen auf dem Balkon ist Mika, er liebt die Kälte, die zwar heute nicht so recht zum April passen will.
Das Leben zittert, es ist da, immer, ich beschreibe es, ich notiere es, sinnlos, sisyphoisch, und trotzdem tut es irgendwie gut, es stärkt mein Da-Sein, zieht meine Identifikation weg vom Verstand; mein Körper, der Rücken spürt das Kissen, meine Fusssohlen spüren den Druck des Sofas, besonders die Fersen; so reich ist das Leben, sind die ständigen Sinneseindrücke, dass es mir ganz verständlich erscheint, dass wir nicht nachkommen, dieses Erleben zu beschreiben.
Weshalb, frage ich mich, träumte ich diese Nacht, wie so oft, ich wäre unvorbereitet oder wichtige Dinge meines Alltags vergessend mit dem Zug auf eine weite Reise gegangen? Im Zug habe ich dann festgestellt, dass mein Kontaktlinsenbehälter und die Kontaktlinsenflüssigkeit noch daheim sind. Auch habe ich keine anständigen Kleider dabei. Es geht an irgendein familiäres Treffen, mit Grosspapa, könnt in Italien sein, bei meinen Verwandten dort.
Es ist ein übles Gefühl so im Zug zu sitzen. Ich kenne dieses Gefühl. Nicht vorbereitet, nicht bereit, dem nächsten Moment zu begegnen oder zu stark in der Angst vor dem nächsten Moment. Weshalb will der Traummacher, dass ich immer wieder dieses Gefühl erlebe? Denn anders kann ich`s nicht ansehen, als eine fortwährende Einladung, diese Unvorbereitung zu fühlen.
Wenn ich nicht vorbereitet bin, was passiert dann? Dann bin ich irgendwie deplaziert, irgendwie falsch, falle auf; andererseits zwingt mich dieses "unvorbereitet" in den Augenblick, zwingt mich weg vom Planen, von der Vorstellung, wie es sein könnt, und ich muss ganz in den Moment. Es entsteht Kontakt, Leben, und ich komme an im Leben der Improvisation, der Kreation und werde spontan.
Das Leben ist immer da, ich vergesse es; es erinnert mich, weil ich`s vergessen hab. Schlechte Gefühle, sogar in der Nacht, erzeugt durch üble Geschichten, erinnern mich, hinzuschauen und diese Gefühle zu erleben und zu fühlen und damit wieder in den Fluss des Lebens zu steigen, den ich in Tat und Wahrheit gar nie verlassen konnte. Das Vergessen führt zum Erinnern. Die Entdeckung des Vergessens. Die Entdeckung des Verlierens. Die Entdeckung des Versagens. Die Entdeckung des Falschen, des Fehlers. So, scheint es, funktioniert das menschliche Leben.

30.4.15