The Deepest Thing Inside

Before you know kindness as the deepest thing inside, you must know sorrow as the other deepest thing.

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Bevor du die Freundlichkeit als das Tiefste im Inneren erkennst, musst du den Kummer als das andere Tiefste kennen.

 

Naomi Shihab Nye Words Under Words: Selected Poems

A Dream Theater

Our world is on the verge of remembering deep feelings. Some people are beginning to realize that the same oppressive ghosts that marginalize and disenfranchise groups marginalize the Dreaming as well. These are the same ghosts that spook us inside our hearts, trouble our communities, organizations, and countries. This incredible, wonderful, and terrifying world of ours is a dream theater. Our world is far more complex than our present view of reality allows. We are all on stage: you, me, and the ghosts of tyranny, self-dislike, love, and God. Social transformation involving freedom and equality happens in a sustainable manner by freeing communities and individuals— every person—to dream and process this theatre outside and inside. In a way, whether or not our organizations and this world become awesome and safe communities depends on your awareness and your becoming a participant-facilitator.

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Unsere Welt steht kurz davor, sich an tiefe Gefühle zu erinnern. Einige Menschen beginnen zu erkennen, dass dieselben unterdrückerischen Geister, die Gruppen ausgrenzen und entrechten, auch das Träumen ausgrenzen. Es sind dieselben Geister, die uns in unseren Herzen erschrecken und unsere Gemeinschaften, Organisationen und Länder in Schwierigkeiten bringen. Diese unsere unglaubliche, wunderbare und erschreckende Welt ist ein Traumtheater. Unsere Welt ist weitaus komplexer, als es unsere derzeitige Sicht der Realität zulässt. Wir alle sind auf der Bühne: du, ich und die Geister der Tyrannei, der Selbstverachtung, der Liebe und Gottes. Sozialer Wandel zu Freiheit und Gleichwertigkeit geschieht auf nachhaltige Weise, indem Gemeinschaften und Individuen - jeder Mensch - frei werden, dieses Theater im Aussen und im Innen zu träumen und zu verarbeiten. Ob unsere Organisationen und diese Welt zu grossartigen und sicheren Gemeinschaften werden, hängt in gewisser Weise von deinem Gewahrsein ab und davon, ob du zu einem teilnehmenden Facilitator wirst.

Mindell, Arnold The Deep Democracy of Open Forums

Power is less important than awareness.

Power is less important than awareness. It you have awareness, you do not need power. You need power and courage only if you are fighting something. Awareness does not fight; it may notice fighting and other things happening, but it does not identify with or judge those things. When awareness is present, the spontaneous behavior of everyone is awakened and unpredictable processes emerge that are what's best for all.
… Chaos is only a momentary process in which awareness has not yet been used. When awareness is used, … , the process is its own solution.

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Macht ist weniger wichtig als Gewahrsein. Wenn du Gewahrsein hast, brauchst du keine Macht. Macht und Mut braucht man nur, wenn man etwas bekämpft. Das Gewahrsein kämpft nicht; es bemerkt vielleicht Kämpfe und andere Dinge, die geschehen, aber es identifiziert sich nicht mit diesen Dingen und verurteilt sie nicht. Wenn Gewahrsein vorhanden ist, wird das spontane Verhalten eines jeden erweckt und es entstehen unvorhersehbare Prozesse, die für alle das Beste sind.
… Chaos ist nur ein momentaner Prozess, bei dem das Gewahrsein noch nicht eingesetzt wurde. Wenn das Gewahrsein genutzt wird, … , ist der Prozess seine eigene Lösung.

Mindell, Arnold The Deep Democracy of Open Forums

 

Wozu Konflikte?

 

A community uses conflict to discover its parts and to get to know itself better.

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Eine Gemeinschaft nutzt Konflikte, um ihre Teile zu entdecken und sich selbst besser kennen zu lernen.

 

Mindell, Arnold The Deep Democracy of Open Forums

Ich bin das Meer.

Der Homo Delfinus wird ein Mensch sein, der verstanden hat, dass er nicht von der Natur oder vom Meer getrennt ist. Er wird wissen, dass von der Microbe bis zum Blauwal nichts weniger oder mehr wert ist. Alles ist miteinander verbunden. Ich betrachte das Meer nicht als neue Grenze, die es zu erobern gilt, als neues Territorium, das es auszubeuten gilt. Für mich ist das Meer das wichtigste Element. Ich bin das Meer.

Jacques Mayol

Process is the Essence of Change

 

Process is the essence of change – it flows along regardless of our attempts to pin it down to fixed structures and objects.

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Der Prozess ist das Wesen des Wandels - er fließt, unabhängig von unseren Versuchen, ihn an feste Strukturen und Objekte zu binden.

Joe Goodbread

Der Leib

Ein Freund pflegte seinen Leib in drei Etagen zu teilen, den Kopf, die Brust und den Unterleib. Und er wünschte öfters, dass sich die Hausleute der obersten und der untersten Etage besser vertragen könnten.

Georg Christoph Lichtenberg

Der Kindheitstraum

Again and again throughout life we are working on the childhood dream, our personal myth. At first the evil one just terrifies us, then it threatens our existence in the form of chronic symptoms and, later, as we join it, it becomes a mysterious ally, which gives us the impetus to live.

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Immer wieder, unser ganzes Leben lang, arbeiten wir am Kindheitstraum, an unserem persönlichen Mythos. Am Anfang erschreckt uns das Böse in ihm ganz einfach, dann bedroht es unsere Existenz in Form von chronischen Symptomen und später, wenn wir uns ihm anschliessen, verwandelt es sich in einen geheimnisvollen Verbündeten, der uns Motivation und Kraft zum Leben gibt.

Arnold Mindell Das Pferd rückwärts reiten

Der Narr

DER NARR

Sie fragen mich, wie ich zum Narren wurde. Es geschah folgendermaßen: Eines Tages, lange bevor viele der Götter geboren waren, erwachte ich aus einem tiefen Schlaf und stellte fest, dass alle meine Masken gestohlen worden waren – die sieben Masken, die ich in sieben Leben gestaltet und getragen habe. Ich lief ohne Maske durch die überfüllten Straßen und schrie: »Diebe, Diebe, die verfluchten Diebe.« Männer und Frauen lachten mich aus, und einige flüchteten aus Angst vor mir in ihre Häuser. Und als ich den Marktplatz erreichte, stand ein Jugendlicher auf einem Hausdach und rief: »Er ist ein Narr«. Ich blickte auf, um ihn zu sehen; die Sonne küsste zum ersten Mal mein eigenes nacktes Gesicht. Zum ersten Mal küsste die Sonne mein eigenes nacktes Gesicht, und meine Seele war von der Liebe zur Sonne entflammt, und ich wollte meine Masken nicht mehr. Und wie in Trance rief ich: »Gesegnet, gesegnet sind die Diebe, die mir meine Masken gestohlen haben.« So wurde ich zu einem Narren. Und ich habe in meinem Wahnsinn sowohl Freiheit als auch Sicherheit gefunden; die Freiheit der Einsamkeit und die Sicherheit, nicht verstanden zu werden, denn diejenigen, die uns verstehen, versklaven in uns auch etwas.

Aber lassen Sie mich nicht zu stolz sein auf meine Sicherheit. Selbst ein Dieb in einem Gefängnis ist sicher vor einem anderen Dieb.

 

Gibran, Khalil Der Narr

The Power of Told Stories

When the great Rabbi Israel Baal Shem-Tov saw misfortune threatening the Jews it was his custom to go into a certain part of the forest to meditate. There he would light a fire, say a special prayer, and the miracle would be accomplished and the misfortune averted.

Later, when his disciple, the celebrated Magid of Mezritch, had occasion, for the same reason, to intercede with heaven, he would go to the same place in the forest and say: “Master of the Universe, listen! I do not know how to light the fire, but I am still able to say the prayer.” And again, the miracle would be accomplished.

Still later, Rabbi Moshe-Leib of Sasov, in order to save his people once more, would go into the forest and say: “I do not know how to light the fire, I do not know the prayer, but I know the place and this must be sufficient”

Then it fell to Rabbi Israel of Rizhyn to overcome misfortune. Sitting in his armchair, his head in his hands, he spoke to God: “I am unable to light the fire and I do not know the prayer; I cannot even find the place in the forest All I can do is to tell the story, and this must be sufficient” And it was sufficient.

God made man because He loves stories.

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Wenn der große Rabbi Israel Baal Shem-Tov sah, dass den Juden Unglück drohte, war es seine Gewohnheit, in einen bestimmten Teil des Waldes zu gehen und zu meditieren. Dort entzündete er ein Feuer, sprach ein besonderes Gebet, und das Wunder wurde vollbracht und das Unglück abgewendet.

Später, als sein Schüler, der berühmte Magid von Mezritch, aus demselben Grund beim Himmel Fürsprache einlegen musste, ging er an denselben Ort im Wald und sprach: "Meister des Universums, höre! Ich weiß nicht, wie ich das Feuer anzünden soll, aber ich kann trotzdem das Gebet sprechen." Und wieder wurde das Wunder vollbracht.

Noch später ging Rabbi Mosche-Leib von Sasow in den Wald, um sein Volk noch einmal zu retten, und sagte: "Ich weiß nicht, wie man das Feuer anzündet, ich kenne das Gebet nicht, aber ich kenne den Ort, und das muss genügen".

Dann fiel es Rabbi Israel von Rischyn zu, das Unglück zu überwinden. In seinem Lehnstuhl sitzend, den Kopf in den Händen, sprach er zu Gott: "Ich kann das Feuer nicht anzünden, ich kenne das Gebet nicht, ich kann nicht einmal den Ort im Wald finden, ich kann nur die Geschichte erzählen, und das muss genügen." Und es genügte.

Gott hat den Menschen geschaffen, weil er Geschichten liebt.

Eli Wiesel The Gates of the Forest trans. Frances Frenaye

The Power of Untold Stories

Untold stories often pass more powerfully from generation to generation than stories that can be recounted.

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Unerzählte Geschichten werden oft stärker von Generation zu Generation weitergegeben als Geschichten, die nacherzählt werden können.

Dan Bar-On

aus: Firestone, Tirzah Wounds into Wisdom

One`s Buried Truth

 

One has to know one's buried truth in order to be able to live one's life.

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Man muss seine vergrabene Wahrheit kennen, um sein Leben leben zu können.

 

Dori Laub

aus: Firestone, Tirzah Wounds into Wisdom

Der Wolf könnte uns dabei helfen.

Ely ist heute 8

Der amerikanische Umwelthistoriker William Cronon hat das Naturbild des urbanen Menschen von heute kritisiert: dieser wünsche sich unberührte, ursprüngliche Wildnis, die, mitsamt der Tiere, die sie bewohnen, zum Gegenpol eines modernen Lebens werde, das seine Unschuld sowieso unrettbar verloren hat. Ein historischer, autonomer Ort, den wir gelegentlich aufsuchen, um uns reinzuwaschen vom Sündenfall der Zivilisation, den wir selbst verursacht haben. Eine bequeme Haltung, findet Cronon, die den Menschen letztlich der Pflicht enthebt, Verantwortung da zu übernehmen, wo die Zerstörung der Umwelt ihren Anfang nimmt: im eigenen Alltag. Er verlangt, sich von dem Dualismus zu trennen, der Natur- und Kulturraum, natürlich und unnatürlich, pur und vom Menschen befleckt einander unvereinbar gegenüberstellt; weil diese Illusion von Wildnis sie nicht retten, sondern noch mehr beschädigen wird. Auch entlegene Naturreservate sind inzwischen von Fürsorge und Management des Menschen abhängig. Und viel öfter findet sich Natur genau da, wo der einer Idee reiner Wildnis anhängende Mensch sie unbeachtet lässt: in einem Kontinuum aus vom Menschen genutzten und naturbelassenen Räumen. Anstatt jeden Gebrauch von vornherein als Missbrauch zu deklarieren, schreibt Cronon, müssen wir einen Mittelweg finden, müssen rücksichtsvolles Nutzen und Nicht-Nutzen in Balance bringen - und die Natur in unserer Reichweite schätzen lernen. Denn sie ist es, die wir bewahren müssen.

Der Wolf wirkt wie ein Botschafter dieser Mahnung. Indem er unseren Lebensraum auch zu seinem erklärt, verlangt er uns genau so einen Mittelweg ab. Wald, Felder, Stausee, Autobahnbrücke: Die Punkte auf Ilka Reinhardts Computer verteilen sich über Menschenorte, die, wie die Wege des Rudels zeigen, zugleich Wolfsorte sind. Wieder unterläuft der Wolf die Trennung in Zivilisation und Wildnis, doch was ihm einmal zum Verhängnis wurde, eröffnet im 21. Jahrhundert Möglichkeiten. Denn der Wolf hat das Zeug, unseren Blick zu verändern. Er kann zeigen, dass das Erlebnis des Anderen, des Staunens, das wir uns von scheinbar unberührter Natur erhoffen, auch ganz in der Nähe zu haben ist. Es passiert etwas mit einer Landschaft, in der Wölfe leben. Ihre unsichtbare Anwesenheit ist wie eine leise Melodie, die die Stimmung verändert. Indem sie ihre Fremdheit und Ungreifbarkeit in den Wald unserer Spaziergänge tragen, machen sie aus ihm einen reicheren, geheimnisvolleren Ort. Einen, der den Menschen spüren lässt, dass hier eine größere Ordnung gilt als die, die er zu seinem Vorteil geschaffen hat; eine, die ihn vom Zentrum an den Rand rückt. Es sieht so aus, als müssten wir dieses Gefühl öfter zulassen, wenn wir eine Zukunft haben wollen. Der Wolf könnte uns dabei helfen.

Petra Ahne Wölfe: Ein Portrait

That’s The Deep Mystery

I want everyone to appreciate the joy and wonder of every single moment of their lives. We should be astonished that we are here when we look around at the exquisite wonder and beauty of everything. I think everyone has a sense of that already. It’s leaning into that more fully. There is a reason every day to celebrate that we’re alive, that we have another day to explore whatever this gift is of being conscious, of being aware, of being aware that we are aware. That’s the deep mystery that I keep talking about. That’s to be celebrated!

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Ich möchte, dass jeder die Freude und das Wunder jedes einzelnen Augenblicks in seinem Leben zu schätzen weiß. Wir sollten erstaunt sein, dass wir hier sind, wenn wir uns umschauen und das exquisite Wunder und die Schönheit von allem sehen. Ich denke, jeder hat bereits ein Gefühl dafür. Es geht darum, sich mehr darauf einzulassen. Es gibt jeden Tag einen Grund zu feiern, dass wir am Leben sind, dass wir einen weiteren Tag haben, um zu erforschen, was auch immer dieses Geschenk des Bewusstseins ist, des Gewahrseins, des Gewahrseins, dass wir gewahr sind. Das ist das tiefe Geheimnis, von dem ich immer wieder spreche. Das muss gefeiert werden!

Roland Griffiths A Psychedelics Pioneer Takes the Ultimate Trip