Ein Wanderer bist du.

Ein Wanderer bist du. Nicht Welten durch­wanderst du, nicht Wege auf diesem Planeten, auch nicht verschiedene Leben; Landschaften deiner Seele sind es, die du durchwanderst. Deine Seele ist ein Universum; geheimnisvoll und sich selber unbekannt. Deine Seele durchwandert sich selbst, und während sie sich erlebt und erforscht, offenbart sie sich; und während sie sich offenbart, verwirklicht sie sich; und während sie sich verwirklicht, erweckt sie sich. Das ist die Reise deines Lebens.

Safi Nidiaye

Das Eine, das als Zwei erscheint

Es gibt nur dies...und das...ist:

Das Eine, das als Zwei erscheint
Nichts, das als Alles erscheint
Das Absolute, das als das Relative erscheint
Leere, die als Fülle erscheint
Das Nichtverursachte, das als das Verursachte erscheint
Einheit, die als Trennung erscheint
Das Subjekt, das als Objekt erscheint
Das Einzelne, das als Vielfalt erscheint
Das Unpersönliche, das als das Persönliche erscheint
Das Unbekannte, das als das Bekannte erscheint

Es ist Stille, die klingt, und Stille, die sich bewegt, und diese Worte, die als Hinweise auf das Wortlose erscheinen...und dennoch geschieht nichts...

Tony Parsons

Das ist Achtsamkeit.

Eine Wolke beobachten, mit all dem Licht der Welt darin.
Einem Fluss folgen, der den Hügel hinabströmt.
Einen Freund mit Empfindsamkeit ansehen.
Sich selber sehen, wie man ist, ohne einen Schatten der Ablehnung.
Sich selber als Teil des Ganzen sehen.
Die Unermesslichkeit des Universums schauen.
Das ist Achtsamkeit.

Jiddu Krishnamurti

Der freie Wille

Ich weiß ehrlich nicht, was die Leute meinen, wenn sie von der Freiheit des menschlichen Willens sprechen. Ich habe zum Beispiel das Gefühl, dass ich irgend etwas will; aber was das mit Freiheit zu tun hat, kann ich überhaupt nicht verstehen. Ich spüre, dass ich meine Pfeife anzünden will und tue das auch; aber wie kann ich das mit der Idee der Freiheit verbinden? Was liegt hinter dem Willensakt, dass ich meine Pfeife anzünden will? Ein anderer Willensakt? Schopenhauer hat einmal gesagt: Der Mensch kann zwar tun, was er will; aber er kann nicht wollen, was er will.

Albert Einstein

Die Absage

 

Ein Mann sitzt an einem Biedermeier-Tischchen in seinem Zimmer. Er hat ein weisses Blatt Papier im Postkartenformat vor sich und schreibt darauf die Absage zu seinem 50sten Geburtstag.

Er sei leider verhindert, genauer gesagt, noch nicht bereit, ihn zu feiern, weshalb er nicht ans Fest komme...

Er schaut durch das Fenster auf die Dächer der Stadt. Manchmal, wenn er derart sinnierend durchs Fenster schaut, nimmt ihn Ecila hoch:

Du leckst an diesem kleinen Kaktus vor dir auf dem Tischchen und dann siehst du das Meer.

Das Meer hat in diesem Augenblick genau ihre Augenfarbe, denkt er. Das Meer ist ihre Augen. Und das Weiss des wolkenüberzogenen Himmels über dem Meer ist das Weiss ihres hellen Körpers. Der Himmel ist ihr Körper. Und in den Augenblicken der Liebe löst er sich auf in ein leeres Blatt Papier.

Kaya fischt im blauen Wasser eine rosa Rose.

In diesem Moment erkannte Tsukuru Tazaki es. Er begriff endlich in den Tiefen seiner Seele, dass es nicht nur die Harmonie war, die die Herzen der Menschen verband. Viel tiefer war die Verbindung von Wunde zu Wunde. Von Schmerz zu Schmerz. Von Schwäche zu Schwäche. Es gab keine Stille ohne den Schrei des Leides, keine Vergebung, ohne dass Blut floss, und keine Überwindung ohne schmerzhaften Verlust. Sie bildeten das Fundament der wahren Harmonie.

Aus: Haruki Murakami Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Es gibt nichts als Beziehung.

Jeder Augenblick unseres Lebens ist Beziehung. Es gibt nichts als Beziehung. In diesem Augenblick habe ich eine Beziehung zum Teppich, zum Zimmer, zu meinem eigenen Körper, zum Klang meiner Stimme. Es gibt nichts ausser meinem In-Beziehung-Sein in jeder Sekunde. Und auf unserem Übungsweg wächst dies: zunächst unsere Einsicht, dass es im Leben nichts gibt als das In-Beziehung-Sein zu allem, was in jedem Augenblick geschieht; und dann unsere wachsende Hingabe an diese Beziehungen. Das scheint nun ganz einfach - was aber stellt sich dem entgegen, was blockiert unsere Hingabe an eine bestimmte menschliche Beziehung, an das Studium, an die Arbeit, daran, uns des Lebens zu erfreuen? Was ist das Hindernis?

Aus: Joko Beck Zen im Alltag

Der Reisende ins Innere

Der Reisende ins Innere findet alles, was er sucht, in sich selbst. Das ist die höchste Form des Reisens.

Laotse  Tao Te King

Mir wurde bald klar, dass keine Reise weit führen wird, wenn wir dabei nicht die gleiche Distanz in die innere Welt zurücklegen wie in die äussere um uns herum.

Lillian Smith

https://en.wikipedia.org/wiki/Lillian_Smith_(author)

Es gibt nur eine Bewegung, die äussere und zugleich die innere; diese Bewegung ist unteilbar, obwohl sie getrennt wird. Weil sie getrennt ist, folgt sie meist der äusseren Bewegung des Wissens, der Ideen, Glaubensinhalte, Autorität, Sicherheit, Wohlstand und so weiter. Als Reaktion darauf geht man dem sogenannten inneren Leben nach, mit seinen Visionen, Hoffnungen, Zielen, Geheimnissen, Konflikten, Verzweiflungen. Da diese Bewegung eine Reaktion ist, steht sie in Konflikt mit dem Äusseren. So herrscht ein Widerspruch mit seinen Schmerzen, Ängsten und Ausflüchten.
Es gibt nur eine Bewegung, die äussere und zugleich die innere. Mit dem Verstehen der äusseren beginnt die innere Bewegung, nicht in Opposition oder im Widerspruch. Wenn der Konflikt ausgeschaltet wird, dann wird das Gehirn hochsensibel und wach, still. Dann hat nur die innere Bewegung Gültigkeit und Bedeutung.
Aus dieser Bewegung kommt eine Grosszügigkeit und ein Mitgefühl, das nicht das Ergebnis von Vernunft und absichtlicher Selbstverleugnung ist.

Jiddu Krishnamurti Das Notizbuch

Was ist das Leben?

Was ist das Leben? Es ist das Aufleuchten eines Glühwürmchens in der Nacht. Es ist der Hauch eines Büffels im Winter. Es ist der kleine Schatten, der über das Gras huscht und sich im Sonnenuntergang verliert.

Crowfoot, Wortführer der Blackfootindianer,
kurz vor seinem Tod im Jahre 1890

Wahrheit

Wer Liebe von dir verlangt, dem gib Wahrheit.
Erbitte nicht Liebe von den Menschen, erbitte Wahr­heit.
In der Wahrheit erkenne die Liebe; in der Liebe su­che die Wahrheit.

Aus: Safi Nidiaye Die Stimme des Herzens

Wut

Wütend zu sein, ist ein erbärmlicher, leidvoller und (selbst)zerstörerischer Zustand, in dem ich ausser mir bin. Meine Wut bewusst zu fühlen, gibt mir jedoch Kraft, Klarheit und Würde.

Safi Nidiaye