Dankbarkeit

Wieso dankbar sein?
Wenn Dankbarkeit auftaucht
dann ist Dankbarkeit da

Doch niemand
der dankbar ist

Wie gut
der Dankbarkeit
nicht auch noch
danken zu müssen

Es ist so

Für Mika, der heute 4 Jahre alt ist

 

Der Traum träumt

Die Sonne scheint

Der Regen regnet

Der Himmel himmelt

Die Erde erdet

Der Fluss fliesst

Die Hügel hügeln

Die Wälder walden

Die Rosen rosen

Die Robinen robinen

(unterstützt von den Bienen)

Der Apfelbaum apfelt

(ganz langsam)

Der Arunachala

arunawatschelt

Der Weise weist

(niemand einen Weg)

Der Hund hündelt

Die Vögel vögeln

Die Katze kratzt

(sich hinter dem linken Ohr)

Das Ist ist

Abwesenheit glänzt

(durch Abwesenheit)

Dem Schwan schwant

(nichts)

Das Nichtwissen

weiss auch nicht

Aarau aaraut

Olten oltet

Ein Alter altert

(am Strassenrand)

Die Wölfin wölft

Die Schafe schlafen

Ein Baum bäumt sich auf

Hühner hühnern

Menschen menscheln

Der Raum räumt sich leer

Die drei Musketiere

dreimusketieren

Das Nichts vernichtet

Das Meer vermehrt

Die Wellen wellen

Die Wogen wogen

Die Schaumkronen

krönen sich

Und der Strand strandet

Die Leere lehrt

Das Aug des Alls

schaut zu

(ungerührt)

Stille stillt

(die Welt)

und ab und zu

regnet es

Hunde

 

Himmel auf Erden

Für Stephan & Miguel

Jetzt sind wir angekommen
im Himmel auf Erden
nach langem Aufstieg im Schnee

Hier oben ist alles Licht
und hell und erleuchtet
ist alles ein Augenblick

Ich könnte dir
Fotos machen
und hinunter senden

Doch würdest du
nur dunkle Fotografien sehen
alle schrecklich unterbelichtet

Und dennoch ist das
was sieht
frei

Es sieht die Bäume
wie sie auf der Erde
balancieren

Es sieht den vollen Mond
noch unschlüssig
hinter dem Hügel lauern

Es sieht das ferne Hundegebell
sich immerzu
in der Nacht verlieren

Es lauscht dem Gebet
des verlassenen Hundes
das die Stille preist

Die Eisrosen
an den Fenstergläsern
duften nach Eisrosenheit

Und ich bin
die Kuh
unten im Tal

In unendlichen Stunden des Kalbens
muhe ich mein Leid
in die Welt

Jeder Augenblick
ist messerscharf
wie der Schmerz

Und wie eine Flamme
erleuchtet er
alles

Wie er
augenblicklich
auch alles verzehrt

Ich bin ein Mensch

Ich bin ein Mensch
der es liebt
den Raben zuzuschauen
wie sie in Regenpfützen spielen
der mit Hunden ruhelos
durch dunkle Wälder irrt
und über wildblumige Wiesen
von der Sehnsucht getrieben
mit den Wölfen zu leben

Ich bin ein Mensch
der sich sieht
auf der Erde liegen
wenn die Raben kommen
um mir die Augen auszuhacken
von Hunden begleitet
die mein altes Fleisch
von den Lenden reissen
bis die Wölfe sie verjagen
um mein Blut zu trinken

Ich bin ein Mensch
der sich anschaut
nachdem die Raben
ihm die Augen genommen
die Hunde das zähe Fleisch
seiner Lenden verschlungen
und die Wölfe sein volles Herz
ausgetrunken

Ein Mensch
der es liebt
den Kinderstimmen zu lauschen
nach dem ersten Schnee
wie sie durch den Winterabend klingen
und mit den Schneeflocken spielen

Blumen vom Bluemli

Wir schenken euch Blumen
Lila blühende Blumen
deren Schönheit
euch so überwältigt
dass ihr sie essen könnt

Und wenn ihr sie esst
dann essen sie euch
und zeigen euch
hinter der Bühne
dieses Grosse Spiel

Foto: von S.G. mit Fujifilm X-T2

Tauwetter

Warmer Regen
wäscht den Schnee
fort

Vom Schneemann steht
nur mehr
ein Phallus

Der
hebt die Blicke
der Vorübergehenden

Und Regentropfen
höhlen Augen
aus

Und Windstösse haschen
vergeblich
nach altem Laub

Vom Schmutz der Vergänglichkeit gejagt
ducken sich ein paar Schneefelder noch
in der Landschaft

Aas
für die Schwärze der Raben
die in Scharen landen

Und langsam, Schritt für Schritt
schreiten die von den Lawinen Verschütteten
ans Licht

Das Leben

Das Leben ist oft
schwer zu ertragen

Mit all diesen geglückten
und unglücklichen Begegnungen

Müssen wir doch vom Sinnlosen
den Sinn los werden

Wie vom Baum
den Apfel

Von der Lerche
das Lied

Vom Traum
die Deutung

Und vom Ozean
die Tränen

Wenn aus Sehnen Sehen wird

Wenn aus Sehen Sehnen wird
sehne ich mich
nach dem Sehnen in deinen Lenden
sehne mich
von deinen Lippen
die Schneeflocken zu lesen
und über den Rand der Welt zu schauen
in das blaue Land deiner Trauer

Wenn aus Sehen Sehnen wird
sehne ich mich
nach dem Singen des Novemberwinds
sehne mich
das Unzerstörbare
in der Kerzenflamme zu sehen
und im Morgengrauen
das Lied der Amsel zu verstehen

Wenn aus Sehnen Sehen wird
sehe ich
wie Autisten
die Neuronen zählen in deinem Hirn
sehe die Andern in Gefängnissen aus Herzschlägen
ihre Herzschläge suchen
und sehe Hunde
in ihren Herzen ruhen

Wenn aus Sehnen Sehen wird
sehe ich
rote Hängematten
wie sie schweigen im Wind
sehe Liebende
sich verlieren in ihren Haaren
und Engel
sich in Kirchen paaren

Wenn aus Sehnen Sehen wird
sehe ich
Blumen brennen und Bäume stehen
höre Herzen schlagen
im vergessenen KZ von Halle
und sehe
das letzte Blatt
vom Baum der Erkenntnis fallen

Ein Novembertag

Es ist heut ein Tag
der schmeckt
nach Regenwürmer

Ein Novembertag
ich gehe
es regnet

Meine Schuhe
zertreten
die Regentropfen

Ein leichter Wind
kommt auf
und geht mit mir

Er sei mein Freund
sagt er
und raubt mir

Von den Lippen
den Geschmack
deiner Liebe

Doch an die Trauer
in meinem Herzen
schafft er`s nicht

Propheten des Herzens

Ein Hund bellt die Welt an
Im Himmel kreisen die Krähen

Und in einem Augenblick dazwischen

Überbrückt ein Regenbogen
Die Landschaften unserer Seelen

Dein Geist sitzt
in einer alten Weinflasche

Und schaukelt
durch den Ozean des Schlafes

In dieser lauen Nacht
habe ich meine Liebesabbitte
auf einem Zettel verfasst

Die Asche vom Streit gestern Abend
hastet noch über den Küchentisch

Gejagt vom Atem der Morgendämmerung
der durch das gekippte Küchenfenster huscht
wie ein Dieb

Daneben verweigert
die fristverlängerte Steuererklärung
auch nach Ablauf der Frist
unausgefüllt ihren Dienst

Und erhellt als unantastbare
Wahrheit die Welt

Wie das weisse Licht

Das den Sterbenden
auf der anderen Seite
empfängt

Am Himmel sind die Gestirne längst verblasst
die im Schmerz der Nacht hingen
wie befreite Gehirne

Und auf dem Gehsteig der Quartierstrasse
wartet ein ausrangiertes Stoffkanapee
auf die Müllwerker

Oder auf ein altes Paar
das sich darin gemütlich macht

Um sein Schicksal zu betrachten

Dem es ein Leben lang
nur nachgestolpert

O gib mir
deine Geschichte
ins Ohr

Damit du erkennst
dass du sie nicht bist

Und sag mir
wem der Gesang der Amsel gehört
wem das Lallen des Betrunkenen

Und wem der Schrei des Sterbenden
das jeden Morgen mein Erwachen begleitet

Hundert Hunde waren meine Gäste zur Nacht
und haben mit mir gejagt
den Grossen Traum

Und nun studiere ich die Wetterkarte deiner Seele
um dich wieder herauszuholen
aus deinen vergeblichen Versuchen
dich von deiner Schuld zu befreien

Du weisst
ich liebe dich

Weshalb willst du es nur
immer wieder wissen?

Liebe ist dieses Eine im Leben
das ich noch nie hab loslassen können

Alle Versuche waren nutzlos
und auch das Loslassen
des Loslassens vergebens

Und jetzt warte ich mit dir
ganz nah
an deiner glühenden Seite

Bis du mir die kühlfeuchte Nase eines Hundes
ans Ohr schenkst
oder den Moschusgeruch seiner Pfote
in die Nase

Als gäbe es keine grösseren Gabe
in diesem irrsinnigen Leben

Die Welt bräche
in schallendes Gelächter aus

Die Sterne am Himmel wären
meine versteinerten Fingerabdrücke

Die ich überall hab hingetastet
um deinen Körper zu finden

So unglaublich nah meinem

Mein müdes Beten würde erhört
und meine Geburtsschreie an einen Gott
der doch irgendwo zu begreifen sein müsste

In diesem leeren Licht

Mit blossen Händen nähmen wir
die Taube vom Himmel

Mit dem Schamhaar des Todes
im Schnabel

Und höben uns die Augen aus

Und fielen in die Blindheit der Liebe

Durch unauslotbare Brunnen
in die jerusalemischen Landschaften der Seele

Wo Berge aus Tatsachen gebaut
und Ebenen nichts weiteres als der Fall sind

Wären unfähig
etwas anderes zu tun

Als der Lehrrede des Lebens
zu lauschen

Sähen die Welt allabendlich
in einem lodernden Eisenbahnzug
durchs Universum rasen

Hätten diesen Zug
längst verpasst

Blieben in Bahnhöfen hängen

Verlorene obdachlose

Propheten des Herzens

Abendlied

Ich sitze auf dem Balkon
den makellosen Spiegel
des Abendhimmels
im Gesicht

Während noch
ein paar Mauersegler
im Abendlicht
hin- und herschwingen

Und sich irgendein
unermüdliches Insekt
an den rosa Oleanderblüten
zu schaffen macht

Denke ich an dich
irgendwie leicht
und doch auch müd
vom Tag

Und weiss
dass das Lied der Amsel
auf dem Schornstein gegenüber
ganz dir gewidmet ist

An Hundstagen

An Hundstagen
liegen Hunde
dumm herum

Und Buschwindröschen
sehnen sich
nach Blütenköpfen

Ihr Zittern
ging verloren
im Frühlingswind

Und wurde wieder gefunden
im Liderflirren
träumender Hunde

Diebinnen der Liebe

Der Tag sagt, dass er noch zu haben sei
zu einem Preis, den zu zahlen
du nicht bereit bist
Am Morgen hat dich im Spiegel
ein Augenblick von Bedeutungslosigkeit erhascht
Und jetzt ziehst du durch die Gassen der Stadt
Flüchtling deines Herzens
Fliehst vor dessen Schlägen
und die Diebinnen der Liebe fliehen vor dir

In den Schrebergärten schreien die Schnecken
und in den Parks der Botschaften
duften die Rosen
Einsam blüht die Blume des Lebens
und verschlingt die Fliegen
die pralle Müllsäcke umwerben
Dann macht sie sich an den Rest des Tages
den zu verspeisen, du nicht gewagt hast
und die Diebinnen der Liebe speisen mit ihr

Die Blume wächst in deinem Herzen
das so gewöhnlich ist
wie ein tönerner Blumentopf
Du hast deine Geschichte verloren
Sie liegt irgendwo im Müll
von all dem, was nicht gesagt werden kann
Sommer heisst der Tag, und selbst Polizisten im Dienst
überfallen die Dielen und stehlen das goldene Eis
und die Diebinnen der Liebe stehlen mit ihnen

Und du kannst nicht anders
als die zahllosen Kaugummimuttermale
zärtlich anzusehen
die sich über die asphaltische Haut der Erde legen
Sie weisen dir den Weg wie Kinderzeichnungen
der abertausend Augen Gottes
Und da das alles ist, was ist
kommen die Kellerkinder ans Licht
und die Diebinnen der Liebe sehnen sich für dich

Und alles, was du noch bist
ist das, was du einst warst
in dieser angehaltenen Welt
die so satt in deine Handfläche passt
Du triffst auf das Mädchen mit den traurigen Brüsten
das dir Tränen weint von Milch
Und im Gasthaus Zum träumenden Hund fällt
der blaue Regen, fällt
an die zitternden Fenster
und die Diebinnen der Liebe fallen mit dir