Alles ist gut.

Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

F. Dostojewski in Dämonen

We all dance to a mysterious tune

Everything is determined, the beginning as well as the end, by forces over which we have no control. It is determined for the insect, as well as for the star. Human beings, vegetables, or cosmic dust, we all dance to a mysterious tune, intoned in the distance by an invisible piper.

Albert Einstein

Alles wird bestimmt, vom Anfang an bis zum Ende, durch Kräfte, über die wir keine Kontrolle haben. Sie bestimmen das Insekt genauso wie den Stern. Menschen, Gemüse oder kosmischer Staub, alles tanzt zu einer mysteriösen Melodie, aus der Ferne intoniert durch einen unsichtbaren Flötenspieler.

Ich bin nicht ich.

ICH BIN NICHT ICH.
Ich bin jener,
der an meiner Seite geht, ohne dass ich ihn erblicke,
den ich oft besuche,
und den ich oft vergesse.
Jener, der ruhig schweigt, wenn ich spreche,
der sanftmütig verzeiht, wenn ich hasse,
der umherschweift, wo ich nicht bin,
der aufrecht bleiben wird, wenn ich sterbe.

YO NO SOY YO.
Soy este
que va a mi lado sin yo verlo;
que, a veces, voy a ver,
y que, a veces, olvido.
El que calle, sereno, cuando hablo,
el que perdona, dulce, cuando odio,
el que pasea por donde no estoy,
el que quedará en pié cuando yo muera.

Juan Ramón Jiménez

Was unserem Herzen wirklich nahe ist

Das wissenschaftliche Bild der realen uns umgebenden Welt ist sehr mangelhaft. Es liefert mir eine Menge an faktischen Informationen, bringt all unsere Erfahrung in eine wunderbar konsistente Ordnung, hat aber zu allem, was unserem Herzen wirklich nahe ist, und was uns wirklich nahegeht, ein beängstigendes Schweigen bewahrt.

Erwin Schrödinger, Physiker und Entwickler der Quantenmechanik

Gaia

Wenn wir die Welt als einen lebenden Organismus betrachten, von dem wir ein Bestandteil sind - nicht dessen Besitzer; nicht dessen Mieter und auch nicht sein Passagier, könnten wir noch eine lange Zeit vor uns haben, und unsere Spezies könnte für ihre „zugewiesene Zeitspanne“ überleben. Es hängt alles alleine von Ihnen und mir ab.

James Lovelock Das Gaia-Prinzip

Stell dir vor: Ton. Klang.

Stell dir vor: Ton. Klang. Stell dir vor: ein Universum voller Klang, aber nicht manifestiert. Und dann stell dir vor: eine Flöte. Ein kleines Instrument, ein kleiner Tunnel aus Holz, mit einigen kleinen Löchern versehen. Eine ungeheu­erliche Begrenzung, verglichen mit dem unendlichen Universum von nicht manifestiertem Ton. Aber das ganze Universum braucht diese kleine Flöte mit diesen wenigen Löchern, um darauf eine Melodie spielen zu können! Die Flöte ist dein Körper. Die Löcher sind deine Chakren. Die Flöte ist eng. Sie ist schwer, sie ist starr. Aber sie ist notwendig und mehr als notwendig - sie erzeugt eine wunderschöne Melodie, einen wundervollen Klang.

Safi Nidiaye Neues Wissen, neues Denken

Etüde

ETÜDE

Wenn sie im Herzen
alte Verse
sagen

Und Rilksche
`Lass die Winde los`
und so

Wenn Vogelzüge Eichs
Verzweiflung
tragen

Und Villons Sommerwind
die Bäume
floh

Dann bläst der
tote Pan die
Herbstetüde

Und Nebelwände
sind Belsazars
Wand

Die Hunde ahnen Schnee
und schauern
prüde

Und die in Häusern
wohnen fürchten
Brand

Gerhard Meier Das Gras grünt (1964)

Körpersymptome sind nicht nur Probleme, die gelöst werden müssen.

Körpersymptome sind nicht nur Probleme, die gelöst werden müssen. Chronische Symptome sind Koans - anscheinend nicht zu beantwortende Fragen, die der Erweiterung des Bewusstseins dienen. Viele solcher Symptome machen es erforderlich, dass wir unser Alltagsdenken fallen lassen und unsere Bewusstheit gebrauchen, um die Kraft der Stille in unserem Körper wahrzunehmen.

Arnold Mindell Quantengeist und Heilung

Fast reglos

FAST REGLOS

Verwaiste Hunde
harren an
Fenstern

An den Kranen der Häfen
hängen die Güter
der Welt

Nur vom Baum
der Erkenntnis fällt
die verbotene Frucht
in die Binsen

Gerhard Meier Das Gras grünt (1964)

Gib mir Hund, Hunde, Wölfe, damit ich ihnen diene, sie preise, dankbar vor ihnen knie

Give me dog, dogs, wolves, to serve, praise, kneel
in thanks. Bring me torn by sin,
stuffed with loot,
bring me in their wild midst, in the spiked ring
of white teeth, sharp fangs, wet mouths, cast me hard
and down. I am not food, the calf, the ewe,
I am the man to be sent to love, but
clawed first, cleansed first, taught to fight,
to lose, save
my skin, my stained skin, my own old soft shell.

1961

Gib mir Hund, Hunde, Wölfe, damit ich ihnen diene, sie preise,
dankbar vor ihnen knie. Bring mich hin, zerquält von Sünde,
gestopft mit Geld,
bring mich in ihre wilde Mitte, in den stacheligen Kreis
weisser Zähne, scharfer Fänge, nasser Mäuler, wirf mich hart
zu Boden. Ich bin nicht Frass, das Kalb, das Lamm,
ich bin der Mann, den man ausschickt zum Lieben, doch zuerst
muss ich zerkratzt, zuerst gereinigt werden, lernen zu kämpfen,
zu verlieren, meine Haut
zu retten, meine befleckte Haut, meine eigene alte weiche Hülle.

1961

© Leonard Cohen Parasites of Heaven

Bild:  Hundeherz und Wolfsgesang, Kynos-Verlag

Leonard Cohen 21.9.1934 – 7.11.2016

THE FLY

In his black armour
the house-fly marched the field
of Freia`s sleeping thighs
undisturbed by the soft hand
which vaguely moved
to end his exercise.

And it ruined my day -
this fly which never planned
to charm her or to please
should walk boldly on that ground
I tried so hard
to lay my trembling knees.

DIE FLIEGE

In ihrem schwarzen Panzer
marschierte die Hausfliege über die Fläche
von Freias schlafenden Schenkeln,
unbeeindruckt von der weichen Hand,
die vage dazu ansetzte
dieser Leibesübung ein Ende zu machen.

Und es ruinierte mir meinen Tag,
dass diese Fliege, die nie die Absicht hatte
sie zu umwerben oder ihr zu gefallen,
so kühn einherging auf jenem Grund,
in den ich so sehr versuchte
meine zitternden Knie zu betten.

Gedicht © Leonard Cohen, aus: Christof Graf Leonard Cohen - Titan der Worte

Bild: © Leonard Cohen Unified Heart

Wenn du mit den Tieren sprichst

Wenn du mit den Tieren sprichst, werden sie mit dir sprechen, und ihr werdet euch kennen lernen. Wenn du nicht mit den Tieren sprichst, dann werdet ihr euch nicht kennen lernen. Was du nicht kennst, wirst du fürchten. Was du fürchtest, wirst du zerstören.

Häuptling Dan George

Tausend Leben

Ein Leser durchlebt tausend Leben, ehe er stirbt. Der Mensch, der nie liest, lebt nur sein eigenes.

George R.R. Martin Das Lied von Eis und Feuer/Der Sohn des Greifen

Wenn du den Wolf schützt

Je mehr ich über den Wolf erfuhr, desto klarer wurde mir, dass er für den Naturschutz eine Schlüsselfunktion hat. Wenn du den Wolf schützt, bewahrst du alles, was in der Evolution unter ihm steht; und indem du ihm seinen Lebensraum sicherst, nützt du auch dem Menschen.

Hélène Grimaud