Und eins werden Feuer und Rose

We shall not cease from exploration
And the end of all our exploring
Will be to arrive where we started
And know the place for the first time.
Through the unknown, remembered gate
When the last of earth left to discover
Is that which was the beginning;
At the source of the longest river
The voice of the hidden waterfall
And the children in the apple-tree
Not known, because not looked for
But heard, half-heard, in the stillness
Between two waves of the sea.
Quick now, here, now, always -
A condition of complete simplicity
(Costing not less than everything)
And all shall be well and
All manner of thing shall be well
When the tongues of flame are in-folded
Into the crowned knot of fire
And the fire and the rose are one.

*

Werden wir nicht nachlassen in unserm Kundschaften
Und das Ende unseres Kundschaftens
Wird sein, am Ausgangspunkt anzukommen
Und den Ort zum erstenmal zu erkennen.
Durch das unbekannte, erinnerte Tor,
Wenn der letzte Fleck Erde, der zu entdecken bleibt,
Jenes ist, das den Anfang gebildet;
An dem Quellengrund des längsten Stromes
Die Stimme des verborgenen Wasserfalls,
Und die Kinder im Apfelbaum,
Unerkannt, weil nicht erwartet,
Aber gehört, halb-gehört, in der Stille
Zwischen zwei Wellen der See.
Rasch nun, hier, jetzt, immer -
Ein Zustand vollendeter Einfalt
(Der nichts weniger kostet als alles)
Und alles wird gut sein,
Jederlei Ding wird gut sein und
Wenn die Feuerzungen sich nach innen falten
Zum Schifferknoten aus Feuer
Und eins werden Feuer und Rose.

T. S. Eliot Little Gidding

Aiaia und Himalaja

…die Buechli-Reisen sind das Wunderbarste und Zauberhafteste, das es gibt in meinem Leben, und mehr kann ich immer weniger sagen, ausser dass das Buechli ein riesiger Zauberberg sei, hoch wie der Himalaja, der aus dem Meer des Träumens ragt und tief wie die Insel Aiaia, von wilden Eichen und Eiben überwachsen, wo Kirke mich empfängt mit wilden Wölfen und Löwen und tanzenden Feuerzungen schwarzer Leoparden…

Schmerz ist so real

Vor dem Aufkommen der wissenschaftlichen Weltsicht war auch die Realität anders konstruiert. Das Dasein begriff man als Ort einer Handlung, nicht als Ort von Dingen. Es glich damit eher einer Geschichte oder einem Drama.

Es war ein gelebtes Drama, subjektive Erfahrung, wie sie sich von Augenblick zu Augenblick im Bewusstsein des Menschen entrollte. Sie ähnelte den Geschichten und Anekdoten, wie wir sie, meist rückblickend, über unser eigenes Leben erzählen, und hat durchaus etwas Romanhaftes. Die Objektwelt in Form von Bäumen und Wolken kommt zwar vor, aber entscheidend sind die großen Emotionen, Träume und natürlich die existenziellen Eindrücke wie Hunger, Durst und Schmerz. Aus der archaisch-dramatischen Perspektive sind sie die Bausteine des menschlichen Lebens, und sie sind selbst mit unserem materialistischen Verstand kaum objektivierbar.

Nimm zum Beispiel Schmerz, banalen subjektiven Schmerz. Schmerz ist so real, dass sich jede weitere Diskussion erübrigt. Vielleicht ist er sogar so etwas wie die absolute Realität. Er betrifft uns stärker als vieles andere in der materiellen Welt. Vermutlich deshalb gilt Schmerz in vielen Kulturen als unvermeidliche Begleiterscheinung unserer Existenz, als die ultimative Wahrheit unseres Daseins. Subjektive Eindrücke ähneln also mehr einem Roman oder Film als der wissenschaftlichen Beschreibung einer physischen Realität. Das Leben als Drama gelebter Erfahrung. Was ist der tragische Tod des eigenen Vaters im Krankenhaus gegen den Totenschein in seiner Krankenakte?

Ähnlich verhält es sich mit dem Schmerz der ersten Liebe, mit der Verzweiflung über geplatzte Hoffnungen, mit der Freude über die ersten Gehversuche eines Kindes.

Jordan B. Peterson 12 Rules For Life

Das Zimmer

 

Mit der Zeit kam in ihr der Verdacht auf, dass was ihr scheinbar durch äußere Umstände aufgezwungen war, ihr im Grunde von innen diktiert wurde, denn der Unterschied zwischen Zwang und Wille war manchmal pure Einbildung. Sie wurde gesucht, die Briten suchten sie, aber all diese Details hatten keine Bedeutung. Entscheidend war, dass sie allein in einem Zimmer saß, gefangen und doch absolut frei. Essen und Trinken wurde ihr knapp, aber ausreichend gebracht, und so war sie nie hungrig und nie richtig satt. Stundenlang starrte sie durch die Ritzen, stellte sich vor, dass sie in diesem Zimmer jetzt nicht saß, weil sie gesucht wurde, sondern dass man sie suchte, damit sie in diesem Zimmer sitzen konnte. Dass sie sich hier befand, war das Ziel und der Zweck, während die Umstände, unter denen man sie hierhergebracht hatte, nur das Mittel zum Zweck waren.

Zeruya Shalev Schicksal

DU

 

You do not heal 'from' trauma.
You find healing 'in' the trauma.
You find yourself present
at trauma's sacred core.
You find The One.
The One who is always present.
The One who can bear
even the most intense feeling states.
And survive.
The Indestructible One.
The Infinite One.
The Powerful One.
YOU.
*
Du heilst dich nicht 'vom' Trauma.
du findest Heilung 'im' Trauma.
Du findest dich selbst gegenwärtig
im heiligen Kern des Traumas.
Du findest den Einen.
Den Einen, der immer gegenwärtig ist.
Den Einen, der selbst
die intensivsten Gefühlszustände ertragen kann.
Und überlebt.
Der Unzerstörbare.
Der Unendliche.
Der Mächtige.
DU.
Jeff Foster

Infinitive

 

We make too much history.

With or without us
There will be the silence
And the rocks and the far shining.

But what we need to be
is, oh, the small talk of swallows
in the evening ever
dull water under willows.

To be we need to know the river
holds the salmon and the ocean
holds the whales as lightly
as the body holds the soul
in the present tense, in the present tense.

*

Wir machen zu viel Geschichte.

Mit oder ohne uns
Sind da die Stille
Und die Steine und das ferne Gleissen.

Was es aber gilt, zu sein,
ist, oh, der Smalltalk der Schwalben
im ewig abendtrüben
Wasser unter Weiden.

Zu sein, heisst, zu wissen, dass der Fluss
den Lachs fasst und der Ozean
die Wale fasst, so sacht
wie der Körper die Seele fasst
in der Präsenz, in der Präsenz.

Ursula K. Le Guin

Wenn eine Welle kommt

Wenn eine Welle kommt, wäscht sie über dich hinweg und läuft den Strand hinauf. Dann kehrt sie sich um und weicht über dich hinweg zurück in den Ozean ... Das ist wie der Atem, mit Ausatmen, Übergang, Einatmen, Übergang und dann wieder von vorne.

Yogasutra, aus James Nestor Breath

Der Traummacher

 

However, if you meditate and expand your awareness, you notice that, actually, you and all "your" thoughts are not created by you. You know that you arise, you are created, and your thoughts arise. Suddenly you get the impression that Dreaming is the real thing, not you! You are an illusion created by Dreaming and Its temporary marginalization of everything else as not-you. That is why I am saying that to understand anything about yourself, and especially about your dreams, you need access to Dreaming and to that grand and incomprehensible essence, the Dreammaker. This cosmic intelligence makes me think I am a person by forgetting Itself.

*

Wenn du jedoch meditierst und dein Gewahrsein erweiterst, stellst du fest, dass du und alle "deine" Gedanken nicht von dir geschaffen werden. Du weisst, dass du entstehst, dass du erschaffen wirst, und dass deine Gedanken entstehen. Plötzlich hast du den Eindruck, dass das Träumen die Realität ist, nicht du! Du bist eine Illusion, die durch das Träumen und seine zeitweilige Ausgrenzung von allem anderen als Nicht-Du geschaffen wird. Deshalb sage ich, dass du, um irgendetwas über dich selbst und insbesondere über deine Träume zu verstehen, Zugang zum Träumen und zu dieser großen und unbegreiflichen Essenz, dem Traummacher, brauchst. Diese kosmische Intelligenz lässt mich denken, dass ich eine Person bin, indem sie sich selbst vergisst.

Arnold Mindell The Dreammaker's Apprentice

 

Nur du selbst.

 

In oneself lies the whole world
and if you know how to look and learn,
the door is there and the key is in your hand.
Nobody on earth can give you either
the key or the door to open.
Exept yourself.

*

In dir selbst ruht die ganze Welt
und wenn du weisst, wie hinzusehen und zu lernen,
siehst du die Tür und der Schlüssel liegt in deiner Hand.
Niemand auf der Welt kann dir den Schlüssel geben
noch die Tür öffnen.
Nur du selbst.

Jiddu Krishnamurti

The Flower sees you.

Enlightenment entails 'seeing clearly.' This doesn't mean that you look at something and analyze it, noting all of its composite parts; no. When you see clearly, when you look at a flower and really see it, the flower sees you.

*

Erleuchtung ist mit 'klar sehen' verbunden. Dies bedeutet nicht, dass man etwas betrachtet und es analysiert, indem man alle Teile, aus denen es zusammengesetzt ist, zur Kenntnis nimmt; nein. Sieht man klar, das heisst, sieht man die Blume und sieht sie wirklich, dann wird man von der Blume gesehen.

Maurine Stuart Subtle Sound, The Zen Teachings of Maurine Stuart

Das Leben ist schön und so wertvoll

Gib deiner Traurigkeit den ganzen Raum und Schutz in dir, der ihr gebührt. Denn wenn jeder offen und ehrlich und somit mutig trauert, wird das Leid, das die Welt erfüllt, nachlassen. Wenn du stattdessen den größten Teil deines Inneren mit Hass und Rachegedanken belegst - aus denen immer weiterer Kummer entsteht - dann hört das Leid in dieser Welt niemals auf. Aber wenn du der Trauer den Ort und Raum in dir gegeben hast, den sie braucht, dann kannst du wirklich sagen: Das Leben ist schön und so wertvoll.

Etty Hillesum (*15. Januar 1914, gestorben am 30. November 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau.)

Schwierigkeiten

Beziehung bedeutet, mit Schwierigkeiten, Missbrauch, Schmerz, Angst und Leiden umzugehen. Die schwarze Sängerin Bernice Johnson Reagon sagte einem Publikum bei der Common Boundary Conference, wie sich tiefe Beziehungen aus schwierigen Situationen entwickeln können:

»Durch Schwierigkeiten finden wir einander. Ich singe von Schwierigkeiten. Warum reden die meisten Leute von klarem, heilendem Wasser, während ich von blutigen, trüben und turbulenten Wassern singe? ... Schwierigkeiten bringen uns zusammen.«

Viele von uns hassen es, die Tür zu öffnen, wenn Probleme anklopfen; wir haben Angst und wollen in Ruhe gelassen werden. Doch wenn wir uns in dem Moment daran erinnern, dass Prozess ein unvorhersehbarer Geist ist, könnten neue Beziehungen beginnen. Wenn Schwierigkeiten anklopfen, steht die Möglichkeit für eine neue Form von Gemeinschaft vor der Tür. Die neue Gemeinschaft basiert nicht nur auf Verständnis füreinander, sondern auf der gemeinsamen Entscheidung, sich auf das Unbekannte einzulassen, sich auf Schwierigkeiten einzulassen - sich in jenes Feuer zu begeben, das der Preis der Freiheit ist.

Arnold Mindell Mitten im Feuer

Gefühllos dem Schmerz gegenüber

Da wir Zeuginnen und Zeugen öffentlichen Missbrauchs sind, ist jeder einzelne von uns schuldig, die »kriminellen« Handlungen der »anderen« zu provozieren. Es bedarf fast heroischer Anstrengungen eines einzelnen Zeugen, aufzustehen und zu protestieren. Bei einem Frauenkongress für Rechtegleichheit im Jahre 1851 hörte eine schwarze Frau zu, die in die Sklaverei hineingeboren war, während Männer die Diskussion dominierten. Ihr Name war Sojourner Truth. Schliesslich erhob sie sich und sprach die inzwischen berühmt gewordenen Worte:

»Der Mann da drüben sagt, dass Frauen in Kutschen geholfen werden müsste und man sie über Gräben tragen müsse. Niemand hilft mir je in Kutschen oder über schlammige Pfützen oder gibt mir irgendeinen besten Platz. Und bin ich keine Frau?
Schauen Sie meinen Arm an. Ich habe gepflügt und gesät und die Ernte eingebracht, und kein Mann war stärker als ich!
Und bin ich keine Frau? Ich würde soviel arbeiten wie ein Mann und soviel essen wie ein Mann, wenn ich es kriegen könnte, und auch die Peitsche ertragen. Und bin ich keine Frau?
Ich habe dreizehn Kinder geboren und mit ansehen müssen, wie die meisten von ihnen in die Sklaverei verkauft wurden, und als ich aufschrie in meinem Mutterschmerz, hat keiner, ausser Jesus, mich gehört. Und bin ich keine Frau?«

Wer sollte ihr antworten? Wenn du es nicht tust, siehst du öffentlichen Missbrauch mit an und hilfst, ihn durch Schweigen zu vermehren. Sojourner Truth sprach für schwarze Amerikanerinnen und Amerikaner, für Frauen und alle Menschen, die leiden, weil sie behandelt werden, als hätten sie keine Rechte und keinen Wert. Wir anderen sind gefühllos unserem Schmerz und dem Schmerz anderer gegenüber. Wir stehen nicht mehr auf und beschweren uns. Wenn die Majorität Nutzen zieht aus dem Missbrauch anderer, wird der Missbrauch chronisch und systematisch. Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie sind keine Zufälle; sie sind verdeckte öffentliche Politik.

Arnold Mindell Mitten im Feuer

Der Pfad des Herzens

Der Pfad des Herzens gibt uns deshalb ein starkes und glückliches Lebensgefühl, weil er unseren Träumen, unserem Traumkörper und unserer mythischen Aufgabe folgt. Der andere Weg ist hauptsächlich mit unseren primären Prozessen verbunden, mit unserer alten Identität und ihren starr programmierten Handlungen. Auf diesem Weg werden wir launisch und beklagen uns; wir fühlen uns als Opfer dieses Weges, indem wir für die anderen leben.

Der Pfad des Herzens verläuft fliessend, ohne starre Identitäten. Er ist der Weg der alten Chinesen, das Tao. Er ist wie Wasser, formlos, ohne Pläne, aber überallhin fliessend, wo sich ihm ein Durchgang öffnet. Der Krieger auf dem Pfad des Herzens ist wie eine Flöte, die den Wind durch sich hindurchwehen lässt und ihre eigene Musik macht.

Jeder von uns kann den Pfad des Herzens nur für sich allein wählen, denn nur wir selbst können den Traumkörper, dem wir folgen müssen, wahrnehmen und spüren. Unser fortgeschrittenes Alter wird uns helfen, daran zu denken, dass es nichts Wichtigeres gibt. Schliesslich besitzen wir nichts ausser unseren eigenen inneren Impulsen. Unsere Wahrnehmungen sind das einzige, was uns wirklich gehört. Vielleicht kann nur hohes Alter das Gewicht relativieren, das wir der Meinung der anderen beilegen und uns erkennen lassen, dass es unsere wichtigste Aufgabe ist, das, was wir fühlen, zu achten und zu schätzen. Wir leiden, wenn unser Weg zu wenig Herz hat und haben tief innerlich das Gefühl, ein sinnloses Leben zu führen.

Arnold Mindell The Shaman's Body